Es ist schon wieder der März angebrochen und die Bäume schlagen aus und durch mangelnde Motivation meinerseits, gab es mal wieder eine längere Pause bis zum nächsten Duell. Eigentlich sollte meine Motivation ein Level „over 9000“ haben, da ich an der Reihe bin mit der Wahl des Filmes. Anderseits sollte ich aber nicht mit Dragonball Reverenzen um mich werfen und endlich mal zu Potte kommen. Eigentlich hatte ich mir schon Ende Februar einen erstklassigen Film ausgesucht. Leider habe ich schon wieder vergessen, Welcher es war. Aber ich bin mir ganz sicher, es war ein grandioser Film. Diese Woche, als ich mal wieder nicht schlafen konnte, habe ich auf dem Youtube Kanal von Willis Videotreff sein Review zu „Das Dorf der Verdammten“ von John Carpenter gesehen. Also DVD bestellt, gehofft, dass Ella auch Bock auf den Film hat und nach der erfolgreichen Rückmeldung die geballten Fäuste wieder weggepackt. Nun müssen wir nur hoffen, dass der Film so einigermaßen gut ist…
Der Film basiert auf den gleichnamigen Film von 1960. Der basiert wiederum auf dem Buch „Kuckuckskinder“ (The Midwich Cuckoos) vom britischen Autor John Wyndham aus dem Jahr 1957. 1963 folgte dann ein Sequel zum ersten Film mit dem Namen „Die Kinder der Verdammten“.
Beide Filme werde ich mir dann auch noch ansehen. 2022 verfilmte der britische Pay TV Sender Sky den Stoff als Serie unter den Namen „The Midwich Cuckoos“. Diese kann man sich in Deutschland bei dem Streaminganbieter Wow ansehen. Aber los geht’s…
Im kleinen Dorf Midwich sind die Vorbereitungen zum sommerlichen Fest in vollem Gange als plötzlich bei allen Lebewesen das Licht ausgeht und sie das Bewusstsein verlieren. Nach kurzer Zeit wachen sie wieder auf und das Leben geht seinen Gang. Ungewöhnlich ist, dass plötzlich 10 Frauen schwanger sind und der Tag der Empfängnis genau auf das Datum des Vorfalls fällt. Die Frauen bekommen die Kinder. Es handelt sich um fünf Mädchen und fünf Jungen. Wobei ein Mädchen tot geboren wird. Die Kinder wachsen schnell heran und haben alle weiße Haare. Sie bilden Zweiergrüppchen mit jeweils Junge und Mädchen. Außer der kleine David hat kein Gegenstück. Mit der Zeit fällt auf, dass die Kinder anders sind und sich die Todesfälle in ihrem Umfeld häufen.
Ich habe den Inhalt nur mal kurz zusammen gefasst aber wenn wir mal ehrlich sind hat der Film eh nicht viel zu bieten. Aber wenigstens ist die deutsch lokalisierte Inhaltsangabe der IMDb anders wild…

Aber kommen wir nun zum Film. Der Film basiert wie der 1960 entstandene Film auf Windhams Buch. Man hats sich wohl aber auch am Drehbuch des alten Films bedient und alles an die Moderne der 90er angepasst. Mit John Carpenter hat man einen Regisseur gefunden, der mit einem geringen Budget und vielen Freiheiten gute Genrekost herstellen kann. Außerdem hat man zwei der größten Ikonen der 70er Jahre mit an Bord, Superman und Luke Skywalker. Christopher Reeve spielt den Arzt des Dorfes und die Hauptrolle. Mark Hamill spielt eine Nebenrolle als Pfarrer. Die weibliche Hauptrolle spielt Kirstie Alley, die zuvor durch die „Kuck mal, wer da spricht!“ bekannt geworden ist und 1995 eigentlich schon wieder auf dem absteigenden Ast war. In Erinnerung bleibt sie hier nur, weil sie ständig eine Zigarette in der Hand hat und selbst vor den Kindern und in der Klinik raucht. Bei diesem Staraufgebot vor und hinter der Kamera dürfte doch eigentlich nichts schiefgehen, oder? ODER?
Der Film ging in den USA krachend unter. Mit einem Budget von 22 Millionen Dollar, konnte er noch nicht einmal 10 Millionen wieder einspielen. Durch diesen immensen Flop, entschied sich Universal Pictures den Film in Deutschland noch nicht einmal in die Kinos zu bringen, so dass er ein Jahr später lediglich in den Videotheken auf VHS erschien. Das erklärt auch, dass man kaum Werbematerial in Deutschland über den Film findet.
Ich habe den Film heute das erste Mal gesehen und kannte bisher nur das VHS Cover mit diesen fürchterlich aussehenden Kindern. Ich muss gestehen, dass mir bis zu dem Punkt als ich mir die DVD bestellt habe, nicht klar war, dass es sich um eine Buchverfilmung von John Wyndham handelt. Ich dachte bisher immer es handelt sich um eine typische 90er Jahre TV Verfilmung eines Stephen King Romans.
Nachdem ich den Film gesehen habe, macht sich bei mir Ernüchterung breit. Da hat ein Mann wie John Carpenter ein Budget von 22 Millionen Dollar zur Verfügung und bringt nur so etwas zu Stande. Der Film sieht durchweg aus wie eine solide runter gekurbelte TV Produktion. Er ist so durchschnittlich und nichtssagend, dass es schon wieder erschreckend ist. Carpenter hat mit Halloween gezeigt, wie man mit wenig Geld, Grusel und Atmosphäre aufbauen kann. Hier sitzt man 90 Minuten so emotionslos vor der Röhre wie die Kinder des Films. Da ich den Film von 1960 noch nicht kenne, kann ich jetzt nicht sagen, wie nah man sich daran gehalten hat oder wie nah man am Buch ist. Aber für mich hätte man hier 2 oder 3 Wege gehen können. Entweder man hätte mehr in Richtung Horror gehen können und die Todesfälle durch die Kinder grafisch explizit in Szene setzen können, so dass der Film einen gewissen Spaß- bzw. Trashfaktor erhalten hätte. Was ich noch besser gefunden hätte wäre ein psychologischer Faktor. Die Frauen wurden von einer Außerirdischen Lebensform förmlich vergewaltigt, da hätte man die Psyche der Frauen, weitaus besser ausarbeiten können. Den Frauen wird die Wahl gelassen, ob sie die Kinder abtreiben möchten oder für die Forschung auf die Welt bringen. Ihnen wird Dreitausend Dollar im Monat angeboten um das Kind zu behalten. Aber auf die ganze Zwickmühle die die Frauen nun haben, wird nicht eingegangen. Es wird lediglich gesagt, dass sich alle Frauen für die Geburt entschieden haben. Haben die Frauen abgewogen wie gefährlich eine Geburt von etwas Unbekannten sein könnte. Es geht ja nicht nur um das Leben des Fötus sondern auch der Mütter. Und wenn sie sich gegen die Geburt entschieden haben, haben die Föten im Bauch die Frauen umgestimmt? Auch nach der Geburt finde ich das Thema nicht gut aufgebaut im Endeffekt handeln alle Eltern gleich, es wiederholt sich einfach immer alles. Man hätte auch die Diskrepanz zwischen unerschütterlicher Mutterliebe und der Umstand, dass etwas mit den Kindern etwas nicht stimmt, besser ausarbeiten können. Psychologisch hätte man viele Ansatzpunkte gehabt, die man hätte verfolgen können. Wenn man sich den Film anschaut, fragt man sich wo die 22 Millionen Dollar geblieben sind. Wahrscheinlich wurde alles in Haarbleiche und der Explosion am Ende investiert.
Alles in Allen hat mich der Film, keine Sekunde gelangweilt aber er lässt mich gleichgültig zurück ohne etwas in mir auszulösen. Als ob man einfach nicht die Extrameile gehen wollte…
Ein Blick in die in die Moviestar 18 vom April 1996:



Im Gegensatz zu mir fand die Moviestar es passend, dass die Charaktere nicht weiter ausgebaut wurden.
Klugerweise verzichtet Carpenter darauf, allzu sehr auf der sozialen Komponente einer Verfremdung zwischen Eltern und Kinder herumzureiten, sondern setzt auf spannende Unterhaltung.
So Unterschiedlich können manchmal Empfindungen sein. Für mich nahm dieser Umstand eher die Spannung raus.
Übrigens hat Ella nun einen eigenen Blog auf Steady. Also lest auch Ellas Meinung zum Film dort.
Cover der DVD:


Cover der LaserDisc:


Film-Programm:



Bonus:
Das Dorf der Verdammten (1960)

Nachdem ich letzte Woche, Carpenters Remake gesehen habe und schon wieder den halben Film vergessen habe (Und einen Teufel tun werde mir den noch einmal zu schauen) ist das Remake von 1960 an der Reihe. Den Inhalt des Filmes werde ich nicht nochmal wiederholen. Wie weiter oben schon beschrieben, basiert Carpenters Version auf diesem Drehbuch. Die Grundstory und die Schlüsselmomente sind vollkommen identisch. Carpenters Film wurde aber in die USA verlegt und modernisiert. Außerdem gibt es hier ein paar mehr Kinder. Kurz gesagt, beide Filme haben mir nicht sonderlich gefallen.
Besser am 60er Film finde ich die Atmosphäre. Dass er in schwarzweiß gedreht wurde und der englische Charme machen viel aus. Außerdem finde ich besser, dass die Angst der Frauen vor der Geburt besser rüberkommen. Anders als im Remake wird hier auch mit anderen Kinder des Dorfes agiert, die dann auch (im Off) zu Tode kommen. Wenn ich mich recht entsinne, gab es im 95er Film nach der Geburt gar keine anderen Kinder mehr. Auch habe ich das Gefühl, dass die Kinder hier viel kälter und emotionsloser wirken. Was sie auf ganz andere Weiße, gruselig macht. Optisch sehen sie jedoch wie ganz normale Kinder aus, was bei Carpenter besser war.
John Carpenter hat 1995, eine Kleinigkeit bei den Kindern geändert. Bei ihm waren ein Junge und ein Mädchen ein Pärchen und waren auch direkt verbunden. Dadurch, dass es eine Totgeburt gab und David dadurch sein Gegenstück fehlt, entwickelt er so etwas wie Gefühle, was auch ein netter Ansatzpunkt war. Auch die Effekte mit den Augen waren im Remake besser. Im Original waren es nur Standbilder der Kinder und im Nachhinein hat man wohl die Augen animiert. Dies konnte man Anfang der Sechziger wohl auch nicht anders umsetzen. Im 1960er Film war auch wie im Buch, David der „Chef“ der Bande. In Carpenters Film ist es die Tochter des Arztes.
Wenn ich mich jetzt entscheiden müsste, welcher der beiden Filme besser ist, müsste ich, der von 1960 sagen. Beides keine guten Filme aber das Original würde ich mir unter Zwang noch mal ansehen. Beim Remake würde ich eher den Freitod wählen….
Cover der DVD:


Die Kinder der Verdammten (1964)

4 Jahre nachdem Wolf Rilla das Buch verfilmt hat, versuchte sich Regisseur Anton Leader an eine Fortsetzung. Offiziell scheint es zu mindestens eine Fortsetzung zu sein. Ich würde es eher eine ganz lose Neuverfilmung des Buches zu nennen. Das einzige, was die Kinder dieses Films mit den Kindern aus „Das Dorf der Verdammten“ gemeinsam haben, sind die Kräfte. Die Blonden (Weißen) Haaren fehlen hier komplett. Im Film von 1960 wurde jedoch gesagt, dass alle Kinder auch in Asien und der Mongolei mit dieser Haarfarbe geboren wurden. Dieser Film spielt nun nicht mehr in einem Dorf, sondern in London und es gibt 6 Kinder aus 6 verschiedenen Nationen, die in den jeweiligen Konsulaten leben. Sie fallen erst auf als sie bei einem Intelligenztest, herausragende Leistungen haben und dazu auch noch das exakt selbe Ergebnis. Der Wissenschaftler Tom Llewellyn und der Psychologe David Neville gehen der Sache nach. Bis die ganze Sache eskaliert.
Von den drei Filmen, die ich jetzt gesehen habe, gefällt mir Dieser am Besten. Irgendwie gefällt mir diese 60er Jahre, Londoner Gossen Ästhetik ganz gut. Die engen Gassen und die runtergekommenen Häuser, eingebettet in einen schwarzweiß Look. Man lässt auch alles weg, was unwichtig ist und man sieht auch nicht wie die Frauen geschwängert wurden (also diese stundenlange Bewusstlosigkeit), die Kinder sind einfach da und gut. Ein weiterer Brennpunkt ist, dass man mitten im kalten Krieg ist und die Kinder in den Konsulaten der verschiedenen Großmächte sind. Man könnte sie ja auch als Waffe missbrauchen. Der Film stellt auch die Frage von Ethik und Moral, was bei den anderen beiden Filmen nicht so rüberkam wie hier. Während die beiden Männer zum Anfang noch auf der selben Linie sind, driftet es immer weiter auseinander. Während der Wissenschaftler bald erkennt, dass diese Kinder, den Menschen überlegen sind und durchaus gefährlich werden können, denkt der Psychologe, dass man den Kindern nur eine richtige Chance geben muss. Der Wissenschaftler ist rational und will lieber die Menschheit retten und die 6 Kinder töten und der Psychologe möchte alle Leben retten. Es ist schon bezeichnend, dass die Kinder, Schutz in einer Kirche suchen. Gerade die damalige Kirche wären die Ersten gewesen die diese „Dämonen“ vernichtet hätten. Am Ende muss das Militär wieder ran und muss das Problem mit Panzer , Panzerfäusten und Sprengstoff lösen. Wenn das mal nicht leicht übertrieben ist mit Panzer gegen 6 Kinder vorzugehen…
Fazit: Ich glaube, ich habe mich in unseren 11 Duellen noch nie so durchquälen müssen, wie dieses Mal. Gerade der Film von 1995 hat ja ein ordentliches Budget und ein fähiges Team vor und hinter der Kamera gehabt. Das hätte eigen funktionieren können oder sogar müssen. Aber da ich die Buchvorlage nicht kenne, könnte man die Schuld auch beim Buch suchen, dass man daraus kein anständigen Film machen kann.
Dreh und Angelpunkt aller drei Filme dürfte das Rauchen sein. In jeden Film gibt es mindestens eine Szene, wo ich dachte, dass würde heute (zum Glück) nicht mehr gehen.
Cover der DVD:


Anmerkung: Ich habe mir noch die erste Folge der Serie angeschaut. Diese geht eine volle Stunde und behandelt und führt erst einmal die Dorfbewohner ein und zeigt den Vorfall der Ohnmacht. Alles wird im Gegensatz zum Original etwas langsamer angegangen und weiter ausgeführt. Der Film von 1960 ist ja auch nach einer Stunde schon fast wieder vorbei. Wenn man das Original kennt, sieht man auch ein, zwei Szenen die man dort auch hat, wie zum Beispiel der unmächtige Traktorfahrer. Und der Test mit dem Soldaten am Seil um zu schauen wie weit man in die „konterminierte“ Zone vordringen kann. Angeblich soll sich die Serie auch mehr Zeit nehmen um auf die Psyche der Frauen einzugehen, die so eine ungewollte Schwangerschaft eben mitbringt. Eigentlich genau das was ich bei den anderen Filmen bemängelt habe. Ich werde die Serie aber erstmal nicht weiter schauen da ich von dem Thema vollkommen gesättigt bin…
Erwähnt werden muss unbedingt noch, dass es einen Song von Iron Maiden mit dem Titel „Children Of The Damned“ gibt. Und es sollte doch mit dem Teufel zugehen, wenn der nicht irgendwas mit diesen Filmen zu tun hätte. Leider bin ich zu faul zum googlen. 😁
es gibt auch eine deutsche Horrorpunkband namens „der Fluch“ die haben Cover, die sehen dem Film verdammt ähnlich.