Sa.. Nov. 29th, 2025
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Es war einmal eine Zeit, da gab es hier im Blog und bei Discord regelmäßig Review Duelle von zwei fabelhaften Individuen, die den Gipfel des Olymp erklimmten und Tag ein,Tag aus, nur die erlesensten Filmperlen der letzten 578 Jahre der Menschheit zu besprechen. Leider war das intellektuelle Niveau so hoch, dass acht hochklassige Duelle, die komplette Kapazität aufbrauchten und es zu dieser Pause kam. Seit Juli habe ich nun meinen Niveautank zu knapp 20 Prozent aufgeladen und kann mich nun wieder in den großen Teich der Filmkunst werfen. Da ich dieses mal den Film aussuchen durfte, werde ich wohl keine Schwimmhilfen brauchen, die mich vor dem Ertrinken bewahren. Ach so. Nun hätte ich fast vergessen um welchen Film es sich handelt. Wir schauen uns den DEFA Film, Signale – Ein Weltraumabenteuer von 1970 an. Ob der Film wirklich so gut ist, wie es mein filmischer Geschmack vermuten lässt oder ob ich hier einen Surströmming aus dem Teich gezogen habe, wir werden sehen…

Okay, wie soll ich sagen, ich weiß nicht warum ich etwas anderes erwartet habe, als ich hier bekommen habe. Wir hatten ja schon in der 3. Runde des Review Duells einen der vier „großen“ Science Fiction Filme der DEFA. Dieses Mal schreibe ich „groß“ in Anführungsstriche weil ich glaube das dies eine bodenlose Lüge ist. Ich hatte damals schon „Im Staub der Sterne“ die pure Langeweile attestiert aber „Signale“ unterbietet das noch bei Weitem. Im „Sternen-Film“ hatte man ja wenigstens noch den Propagandaaspekt über den man philosophieren konnte.

Dummerweise habe ich während des Schauens schon wieder vergessen, worum es überhaupt geht. Ein Forschungsschiff havariert irgendwo im Kosmos. Eine weitere Crew macht sich auf dem Weg um mal nachzusehen, was da los ist. Ich bin immernoch leicht angepisst weil der Film den Zusatztitel „ein Weltraumabenteuer“ hat. Abenteuerlich ist allein der Umstand wie gekonnt Regisseur Gottfried Kolditz alles umschifft (ja, ich bin angepisst und habe das Wort mit Absicht so gewählt) was irgendwie Spannung aufbauen könnte. Moment, der Kolditz hat doch auch den anderen langweiligen Film gedreht, das erklärt so einiges! Im Grunde haben wir hier nur ein simples Kammerspiel, was man in ein Weltraumsetting gesteckt hat.

Der Film basiert wohl ganz lose auf dem Buch „Asteroidenjäger“ von Carlos Rasch. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich wohl vorher das Buch gelesen, nun habe ich dazu gar keine Lust mehr. Andererseits, ich glaube ich kaufe mir das Buch nur um festzustellen, dass es gut ist damit ich den Film noch mehr hassen kann. Aber kommen wir zu den positiven Aspekten des Films. Der Film ist wunderschön. Die Raumschiffdesigns sehen toll aus und es alles glaubwürdig getrickst. Die Ausstattung des Films hat so ein schönes retrofuturistisches 70er Jahre Design. Und das war es auch schon. Am schlimmsten finde ich die Chemie zwischen den Charakteren, da fühlt sich alles einfach nur kalt an. Aber kommen wir zum einzigen bekannten Schauspieler des Films, Gojko Mitić! Ein ungeschriebenes und niemals existierendes Gesetz für Filmbesprechungen besagt, dass man immer erwähnen muss, das Gojko Mitić der „Winnetou des Ostens“ war! Mehr möchte ich über diesen Schundfilm auch gar nicht schreiben.

Ich entschuldige mich hiermit bei Ella, für meine beschämende Filmauswahl. Ich habe aus unerfindlichen Gründen ein SciFi Abenteuerepos erwartet. Aber beim Namen Gottfried Kolditz hätten bei mir die Alarmglocken schrillen sollten. Wir alle wissen, von Gott kam noch nie etwas gutes. Das Einzige was mich etwas tröstet, ist die Tatsache, dass ich weiß, dass Ella noch einen schlechteren Filmgeschmack hat als ich… over and out ….

Ellas Meinung:

Im 21. Jahrhundert sucht Kommandant Veikko und seine Mannschaft des Raumschiffs „Laika“ in der Nähe des Jupiters nach dem verschollenen Besatzungsmitgliedern des Forschungsraumschiffs „Ikaros“, das in fremden Sonnensystemen nach intelligentem Leben suchen sollte und von Meteoriten zerstört wurde. Weil bereits jegliche Suche erfolglos blieb, muss Veikko seine Rettungsaktion als Wartungsarbeiten an unbemannten Raumstationen tarnen. Doch es lohnt sich, die Kosmonauten der Laika finden tatsächlich Überlebende der Ikaros, die in einem noch funktionstüchtigen Trümmerteil ausharren.
Signale – Ein Weltraumabenteuer von 1970 ist ein deutsch-polnischer Science-Fiction-Film der DEFA, der größten Filmgesellschaft der DDR. Regie führte Gottfried Kolditz. An der literarischen Vorlage, dem Roman „Asteroidenjäger“ von Carlos Rasch, orientierten sich die Drehbuchautoren allerdings nur sehr vage. In der Hauptrolle als Terry (wenn hier mal nicht Perry Rhodan Pate stand) sehen wir Gojko Mitić, den man ggf. aus einigen Karl May-Filmen kennen könnte.

Nach Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum (1968) dachte wohl die DEFA, dass sie sowas auch könnte. Und ja, die Kamera und die Trickeffekte „im Weltraum“ sind auf einem hohen Produktionsniveau und die Kulissen besser als bei Raumschiff Enterprise (1966). Der Rest ist jedoch so aufregend wie die Holzvertäfelung in einem SED-Parteibüro, so erfrischend wie Karl Marx unterm Arm und so sexy wie der Kommunismus selbst. Durchgehendes Gelaber, nichts passiert, dazu dümmliches Musikgedudel und cringe Gesellschaftsvorstellungen. Einer der vielen Dialoge zwischen zwei Kosmonauten dreht sich z.B. darum, dass Wissen, welches ein Kommandant besitzt, zurückgehalten werden müsse, damit das Kollektiv der Mannschaft nicht auseinander bricht. So kann man sich die autoritäre kommunistische Führungsriege auch schönreden. Ich finde Science-Fiction-Filme vor Krieg der Sterne (1977), der uns erlöste und aufzeigte, dass SF auch lustig, spannend und unterhaltsam sein kann, generell super langweilig. Der dröge DDR-Charme und die gruselige Kommunistenmessage von Signale – Ein Weltraumabenteuer machen es nicht besser. Im Gegenteil: Der Film ist wirklich unerträglich langweilig.

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Von HenrX

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